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Kategorie: Schuljahr 2014/2015

Mühlentag

Erkundung der "Scherzenmühle" in Weidenberg


„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ – gibt es so etwas noch?
Wir, die 7. Klasse der Fichtelnaabtal – Mittelschule Ebnath-Neusorg, fuhren mit unserem Klassenleiter Herrn Zaus nach Weidenberg zur „Scherzenmühle“ des Fichtelgebirgsvereins. Frau Sieber, mobile Lehrerin an unserer Schule, begleitete uns umsichtig.
Diese altdeutsche Getreidemühle mit den Ursprüngen aus dem 16. Jahrhundert eignete sich hervorragend als Vorbereitung unserer Klassenlektüre „Krabat“, dem bekannten Jugendbuch von Otfried Preußler.  
Als wir angekommen waren, wurden wir von Frau und Herrn Ruhl begrüßt. Sie übernahmen unsere Führung. Danach ging es direkt in die alte Wohnung. Diese bestand aus der „guten Stube“ (Wohnzimmer) und der Küche. Dort spielte sich das ganze Leben der Familie ab, es wurde dort auch gegessen, die kleinen Kinder gebadet und gearbeitet. Ein Seil führte vom Küchentisch in die gute Stube zu einer Wiege, die an der Zimmerdecke befestigt war und an der ein Glöckchen hing. Wurde das kleine Kind, konnte jemand von der Küche aus die Wiege zum Schaukeln bringen. 

Der Mittelpunkt der guten Stube war der Kachelofen, allerdings wurde die Stube nur zu Festtagen wie Weihnachten benutzt. An der Seite des Kachelofens war eine Nische (kleiner leerer Raum), in der oft die Katze schlief. Auch kranke Familienmitglieder verkrochen sich darin, um durch die gesund zu werden. Diese Nische nannte man die „Höll“. In den Wohnräumen befanden sich keine Kreuze, Marien- oder Heiligenbilder – die Scherzenmühle lag im evangelisch-lutherischen Herrschaftsgebiet der Markgrafen von Bayreuth.  

Im oberen Stock befanden sich das Schlafzimmer (unbeheizbar!), die „gute Stube“ des Müllers und die Küche der Großmutter. Nebenan, schon oberhalb des Mühlengebäudes, betraten wir die Kammern der Mühlknaben, die nur mit Brettern von der lauten Mühle abgetrennt waren. 

Nach der Brotzeit besichtigten wir den 13 Meter langen Felsenkeller, der mit der Hand aus dem weichen Sandstein gehauen war. Dort war es dunkel und auch im Sommer kühl. Er diente zur Aufbewahrung vieler verderblicher Lebensmittel. Als Behälter benutzten die Bewohner Fässer, Töpfe und Krüge aus Holz und Ton.

Im angrenzenden Stall waren früher Ziegen, Hühner, Gänse, Tauben, Kühe und Schweine untergebracht. Die Familie des Müllers konnte allein von den Einnahmen der Mühle nicht leben und sie betrieb den Bauernhof zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln. Der Stall diente früher gleichzeitig als Toilette und Badezimmer für die Mühlenbewohner.  

Das Highlight der Besichtigung war natürlich die Mühle mit den beiden Wasserrädern. Wir verließen das Gebäude und gingen zu den Mühlrädern. Lukas und Frau Ruhl öffneten das Wehr im oberschlächtigen Mühlgraben und das angestaute Wasser trieb nun die Mühlräder laut klappernd an. Auch das zweite Wasserrad wurde in Gang gesetzt. 

Wieder zurück im Mühlengebäude erklärte uns der „Müllermeister“, Herr Ruhl, einiges über die Geschichte des Mahlens von Getreide. Einige Schüler durften im Mörser Getreidekörner zerdrücken und stampfen, andere eine Handmühle betreiben. In manchen Ländern Asiens und Afrikas wird heute noch Getreide auf diese Art gemahlen, oft werden dann Brotfladen daraus gebacken. Als Herr Ruhl ein Zeichen für seine Frau gab, setzte sich laut rumpelnd das Mahlwerk in Gang. Auf dem oberen Boden wurde ein Sack Getreide in einen viereckigen Aufbau eingefüllt. Nach einiger Zeit fiel grobes und feines Mehl nach unten. In einem leinenen Schlauch und in Sieben wird das gemahlene Getreide nach Größe getrennt. 

Einige kauften sich noch ein Päckchen echtes Vollkornmehl aus dieser Mühle, um es mit nach Hause zu nehmen. Wir trugen uns schließlich alle ins Gästebuch ein. Florian und Lukas bedankten sich im Namen der Klasse mit einem kleinen Geschenk („merci“) für die interessante Führung, unser Klassenlehrer tat dies im Namen der Ebnather Mittelschule. Mit vielen Informationen über das Leben in einer Mühle vor langer Zeit fuhren wir gegen Mittag wieder nach Ebnath zurück. Solche Unterrichtsfahrten sollten wir öfters unternehmen.